Impfung für Kinder und Jugendliche

Grundsätzliche Abwägungen vor einer Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren: 

  • es gibt keine zwingende medizinische Notwendigkeit zur Impfung von gesunden Kindern und Jugendlichen, denn ihr Risiko für einen schweren Covid-Verlauf ist minimal. (Die Datenlage zu Long-Covid bei Jugendlichen ist leider dünn).
  • das Risiko, durch eine Impfung Nebenwirkungen wie Myokarditis zu erleiden, ist nach Datenlage aus Israel und den USA ebenfalls minimal.
  • Die STIKO empfiehlt die Covid-Impfung nur für Jugendliche mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf (Übergewicht, Vorerkrankungen) und für Jugendliche, die in nahem Kontakt zu gefährdeten Personen leben und diese anstecken könnten.
  • Viele Jugendliche wünschen sich eine Corona-Impfung aus sozialer Indikation, weil sie freier am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen, ohne sich permanent testen lassen zu müssen
  • Geimpfte Personen jeden Alters brauchen nicht in Quarantäne! Falls in den nächsten Wochen die Inzidenzen wieder deutlich ansteigen mit der Folge von Kontaktbeschränkungen, Distanzunterricht ect.,werden geimpfte Jugendliche deutlich weniger Einschränkungen haben als ungeimpfte Jugendliche.

Grundsätzlich kann jedes Kind ab 12 Jahren nach ärztlicher Aufklärung geimpft werden. Voraussetzung ist die schriftliche Einverständnis beider Sorgeberechtigen (bzw. der/des Einzelsorgeberechtigten).

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/COVID19/Infoblatt_Impfung_Kinder_und_Jugendliche.pdf?__blob=publicationFile
RKI- Infoblatt: Covid-Impfung für Kinder und Jugendliche

 

Risiken einer Corona-Infektion bei Kindern/Jugendlichen

(Stand: 3.7.2021)

Bei jungen Menschen unter 20 Jahren verläuft eine Infektion meist milde oder asymptomatisch. Das Risiko für einen schweren Verlauf ist bei vorab gesunden Kindern und Jugendlichen verschwindend gering.

Jedoch können Long Covid-Symptome wie Abgeschlagenheit, Husten, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen Geschmacksverlust, Kopf-, Bauch-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Hautausschläge auch bei Kindern auftreten. Wie schwer und wie verbreitet, ist noch unklar. Da die Pandemie eine hohe psychische Belastung für Familien und Kinder mit sich bringt, kann es im Einzelfall schwierig sein, zwischen Long-Covid und „Long-Lockdown“ zu unterscheiden.

Beim seltenen PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) handelt es sich um eine überschießende Immunreaktion 2-4 Wochen nach einer Covid-Erkrankung. Bislang sind in Deutschland 368 PIMS-Fälle bekannt. Die Mehrheit dieser Kinder hatte keine Vorerkrankungen. Klinisch kommt es u.a. zu hohem Fieber, Hautausschlag, Durchfall, Erbrechen. Meist ist eine intensiv-medizinische Behandlung notwendig. Die überwiegenden Fälle heilen folgenlos aus, in weniger als 10% verbleiben Folgeschäden.

Seit Beginn der Pandemie bis heute sind in Deutschland 26 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren an/mit Corona verstorben. Alle hatten ausnahmslos schwere Vorerkrankungen.

Risiken einer Corona-Impfung bei Kindern/Jugendlichen

(Stand: 3.7.2021)

Zwei mögliche Risiken sind zu unterscheiden:

  • Die Angst vor unbekannten Langzeit-Schäden, die möglicherweise erst nach
    mehreren Monaten oder Jahren auftreten könnten. Diese Bedenken sind rein
    spekulativ.
  • Das Risiko von sehr seltenen Herzmuskelentzündungen nach der zweiten Impfung.

In Deutschland ist die Datenlage dazu leider sehr dünn. Das RKI schreibt: Zur Sicherheit der Impfung bei Kindern gibt es bisher nur wenig Daten und Erfahrungen. Die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen ist zu klein, um auch häufigere
unerwünschte Ereignisse zu entdecken. Das Paul-Ehrlich-Institut konstatiert: „bedauerlicherweise sind derzeit keine aktuellen alters- und geschlechtsstratifizierten Impfquoten der niedergelassenen Ärzte verfügbar, sodass nicht berechnet werden kann,
ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zufällig in ihrer Altersgruppe zu erwarten wäre. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass milde Verläufe möglicherweise unerkannt bleiben und im Rahmen der Spontanerfassung nicht alle Fälle berichtet werden (Dunkelzifferrate)“.

In den USA wurden (Stand 22.6.2021) ca. 320 Millionen Corona-Impfdosen verabreicht, überwiegend mit einem mRNA-Impfstoff. Dabei wurden 616 Fälle von Myokarditis bei unter 30-Jähigen gemeldet. Laut CDC (amerik. Gesundheitsbehörde) liegt das Risiko für eine Myokarditis bei zweifach geimpften jungen Männern (12-24 Jahre) bei 1:16.000. CDC-Mitarbeiter*innen sehen für die Gruppe der 12- bis 17-Jährigen ein eindeutig positives Nutzen-Risiko-Verhältnis: Bei männlichen Teenagern kämen auf 1 Million 2. Dosierungen 56 bis 69 Myokarditisfälle. Durch die Impfung würden 5.700 COVID-19- Erkrankungen, 215 Hospitalisierungen, 71 Intensivbehandlungen und 2 Todesfälle verhindert. Bei weiblichen Teenagern stehen 9 Myokarditisfälle 8.500 vermiedene COVID-19-Erkrankungen, 183 vermiedene Hospitalisierungen, 38 vermiedene Intensivbehandlungen und 1 vermiedener Todesfall gegenüber.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC, die American Heart Association und die American Academy of Pediatrics empfehlen die Covid-Impfung für junge Menschen ab 12 Jahren.

Die derzeit beste Datenlage zu Impffolgen stammt aus Israel, weil hier sehr früh sehr viele Menschen mit BioNTech/Pfizer geimpft wurden und umfangreiche digitalisierte Daten über den Verlauf nach den Impfungen vorliegen: In Israel wurden bis Mai 2021 ca. 10,5 Millionen mRNA-Impfungen durchgeführt. Dabei kam es in 147 Fällen zu einer Myokarditis (1-2 pro 100.000 Impfungen), überwiegend junge Männer von 16-19 Jahren. 95% heilten ohne Komplikationen aus. Schon früh wurden in Israel Jugendliche ab 16 Jahren geimpft, mehr als in irgendeinem anderen Land der Welt.

Gerade wegen der Delta-Mutation werden Kinder und Jugendliche in Israel seit Anfang Juni sogar schwerpunktmäßig geimpft: 32% der 12-19Jährigen haben inzwischen mindestens eine Erstimpfung.